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Wandschneider, Wilhelm

(6. Juni 1866 - 23. September 1942)

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Wilhelm Wandschneider

Der in Plau geborene Bildhauer Professor Wilhelm Wandschneider kann mit Recht als der aktivste mecklenburgische Bildhauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Ihm sind zahlreiche Denkmäler und Figuren in Mecklenburg zu verdanken, u.a. Bismarck in Schwerin (1901, zerstört), Großherzog Friedrich Franz III. in Rostock (1901, zerstört), "Coriolan" in Plau am See (1903), der Brinckman-Brunnen "Voß un Swinegel" in Güstrow (1908), das Fritz-Reuter-Denkmal in Stavenhagen (1911), der "Hechtbrunnen" in Teterow (1914), "Sämann" und "Mähender Bauer" in Plau am See (1934/35). Werke von ihm befinden sich auch in Österreich, Frankreich, den Niederlanden und den USA. Leben und Werk des Künstlers sind seit 1994 im Plauer Bildhauermuseum Prof. Wandschneider dokumentiert.
Am 6. Juni 1866 wurde Wilhelm Wandschneider als Sohn eines Malermeisters geboren. Er besuchte zunächst die unteren Klassen der Plauer Stadtschule. Zusammen mit seinem Bruder Karl verlebte Wilhelm in Plau eine unbeschwerte Kindheit. Der Familientradition folgend erlernte er nach Abschluss der Schulzeit von 1881 bis 1884 in der Werkstatt des Vaters das Malerhandwerk. Die wenigen freien Stunden nutzte er zum Zeichnen und Malen, später auch zum Modellieren. Als Malergehilfe zog es Wilhelm Wandschneider im Sommer 1884 auf Wanderschaft nach Güstrow und Rostock. Im März 1885 erteilte ihm der Vater dann die Erlaubnis, nach Berlin zu fahren und sich Arbeit zu suchen.
Im Herbst 1886 bestand Wandschneider die Aufnahmeprüfung für die Akademische Hochschule der Bildenden Künste Berlin mit glänzenden Ergebnissen. Von 1886 bis 1894 war er Schüler der Akademischen Hochschule für Bildende Kunst Berlin. Unter seinen Lehrern sind insbesondere zu nennen: Julius Ehrentraut, Albert Wolff, Paul Meyerheim, Fritz Schaper, Anton von Heyden, Hans Virchow und Gerhard Janensch. Zur praktischen Weiterbildung arbeitete er in den Ateliers bei Karl Hilgers, Ernst Herter, Martin Wolff und Ludwig Brunow. Sie alle standen in der Tradition der Berliner Bildhauerschule.
Im Mai 1895 wechselte Wandschneider dann mit Empfehlung der Akademie als Meisterschüler in das Atelier von Reinhold Begas. Die Zeit als Meisterschüler bei Professor Begas währte allerdings nicht lange, er hatte sich bereits im Oktober 1894 um den für 1895 unter jungen Bildhauern ausgeschriebenen Preis der von Rohr'schen Stiftung beworben und das große Glück, den Preis für eine einjährige Kunst- und Studienreise nach Italien zu erringen.
Anfang Oktober 1895 begann die Reise über Paris nach Rom. Wandschneider erreichte die "Ewige Stadt" am Morgen des 24. Dezember 1895. Gleich nach dem Fest wurde sich der Arbeit gewidmet. Im Januar 1896 lernte er Anna Kreß kennen, die Tochter eines deutschen Offiziers, die er zwei Jahre später heiratete. Im Mai trat Wandschneider die Heimreise an.
Voller neuer Eindrücke und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen beschloss Wilhelm Wandschneider, sich als junger Bildhauer selbstständig zu machen. Als Erstes hieß es nun, Aufträge zu bekommen. Noch namenlos, beteiligte sich Wandschneider an zahlreichen anonymen Wettbewerben um Denkmäler und Brunnen im ganzen Land. Er gewann die Ausführungen für das Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal in Neustettin und für das Kaiser-Friedrich-III.-Denkmal in Dortmund. Die beiden Statuen wurden im September bzw. Oktober 1898 enthüllt. Ein Jahr später folgte in Charlottenburg das Denkmal für Werner von Siemens.
Über seinen Freund Constantin Starck kam Wandschneider 1899 in Kontakt zu Mecklenburgs Herzog-Regenten Johann Albrecht. Dieser fand Gefallen an verschiedenen Arbeiten seines Landsmannes. Er erteilte ihm in den Folgejahren mehrere Aufträge.
In den Jahren von 1897 bis 1916 erlebte Wandschneider als Bildhauer seine erfolgreichsten Jahre. Fast ununterbrochen nahm er erfolgreich an den Akademieausstellungen in Berlin von 1893 bis 1919 teil. Auch auf Ausstellungen in Dresden, München, Schwerin, Düsseldorf und im Ausland in St. Louis, Venedig, London, Glasgow und Liverpool war der Name Wandschneider vertreten. In Mecklenburg bekamen die Orte Güstrow mit dem Brinckman-Brunnen "Voß un Swinegel", Stavenhagen mit dem Reuter-Denkmal, Teterow mit dem Hechtbrunnen und Karow mit dem Schlutius-Mausoleum hervorragende Werke aus Wandschneiders Werkstatt.
Als der Name Wilhelm Wandschneider in Deutschland in weiten Kreisen schon bekannt war, sann der Künstler darauf, sich auch im Ausland anzubieten. Erste Gelegenheit war die Delegierung von einigen seiner Arbeiten zur Weltausstellung nach St. Louis/USA im Jahr 1904. Der "Coriolan" bekam eine Goldene Medaille.
Doch nicht nur auf Ausstellungen versuchte Wandschneider sich zu präsentieren, er bewarb sich auch bei internationalen Denkmalswettbewerben, u.a. in Manila, Riga, St. Petersburg, Moskau, Kapstadt, Quito. Während diese Wettbewerbe, mit Ausnahme eines 3. Preises beim Denkmal für Zar Peter den Großen in Riga, alle ohne Erfolg blieben, wurde die Bewerbung um ein Denkmal für den russischen Generalfeldmarschall Barclay de Tolly in Riga zu einem unerwartet großen Erfolg. Wandschneider erhielt alle drei Preise und den Auftrag. Wenig später bekam er die Einladung für einen internationalen Wettbewerb um ein Denkmal für St. Louis/USA. Es sollte drei Deutschamerikanern, den Publizisten und Politikern Carl Schurz, Emil Preetorius und Carl Daenzer, gewidmet sein. Mit der Figur "Die Nackte Wahrheit" bekam Wandschneider auch hier den Auftrag.
Nicht als Erfolg im Wettbewerb, sondern als persönlicher Auftrag von Kaiser Wilhelm II. entstand im Kriegsjahr 1915 das dritte große Denkmal Wandschneiders auf ausländischem Boden. In gegenseitiger Abstimmung mit den Behörden der besetzten französischen Gebiete beschloss die deutsche Militärbehörde, ein gemeinsames Ehrenmal für die Gefallenen beider Seiten zu errichten. Als Standort wurde der Soldatenfriedhof St. Martin bei St. Quentin in Nordfrankreich ausgewählt.
Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches als Folge des 1. Weltkrieges gerieten viele bildende Künstler - so auch Wandschneider - in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber.
1925 sah sich Wandschneider gezwungen, das Atelierhaus in Berlin zu verkaufen. Nunmehr fast 60jährig, setzte er sich in seiner Vaterstadt Plau zur Ruhe. Die Nachricht von der Rückkehr ihres berühmten Sohnes nahm man in der Plauer Stadtverwaltung mit Freude auf. Zum 60. Geburtstag wurde Professor Wandschneider zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Die Stadtväter stellten in der Stadtschule einen Raum zur Verfügung, in dem zunächst 70 Gipsmodelle Wandschneiderscher Werke ausgestellt wurden. Ein erstes "Wandschneider-Museum" war gegründet. Es bestand bis 1947.
Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend erstarkte, ließ auch der politisch konservative Wandschneider sich davon blenden und trat der NSDAP bei. Bis auf wenige Ausnahmen ("Sämann" und "Mähender Bauer" 1935 Plau, "Pfennigjunge" 1936 Plau, "Skagerrakdenkmal" 1936 Rostock, "Trauernder Soldat" 1937 Schwerin) blieben künstlerische Aufträge für den alternden Künstler jedoch aus.
Am 23. September 1942 starb Professor Wilhelm Wandschneider in Plau.